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Workshop: Paradoxe Unterwerfung – Symbolische Gewalt

Literatur- und kultursoziologische Perspektiven auf Bourdieus Die männliche Herrschaft

26. November @ 14:00 28. November @ 14:00

Universität Wien, Schreyvogelsaal (Hofburg)
Leitung: Louise-Marie Jandl, Lydia Rammerstorfer, Norbert Christian Wolf

In „Die männliche Herrschaft“ (1998) analysiert Pierre Bourdieu die Geschlechterordnung als paradigmatisches Modell sozialer Dominanz. Ihre Wirksamkeit beruht, so seine zentrale These, auf verborgenen Mechanismen symbolischer Gewalt – einer subtilen, kulturell vermittelten Form der Machtausübung, die sich tief in die soziale Welt und den Habitus einschreibt. Diese „sanfte, für ihre Opfer unmerkliche, unsichtbare Gewalt“ (Bourdieu 2021, 8) zeigt sich etwa in der dichotomen Zuweisung geschlechtsspezifischer Räume, im ständigen „Wahrgenommenwerden“ (Bourdieu 2021, 117) des sexualisierten weiblichen Körpers sowie in der Marginalisierung von Frauen in Wissenschaft und Kunst. Die mitunter widerstandslose Tradierung dieser „männlichen Ordnung“ beruht Bourdieu zufolge darauf, dass sie nicht als willkürlich, sondern als selbstverständlich wahrgenommen wird. Diese „paradoxe Unterwerfung“ (Bourdieu 2021,212) bewirkt auch eine Stabilisierung und Naturalisierung der gegebenen gesellschaftlichen Ordnung insgesamt, die gerade deshalb zumeist unhinterfragt und dadurch unsichtbar bleibt.
Der Verborgenheit zum Trotz ist es allerdings möglich, diese Strukturen zu analysieren und in einem zweiten Schritt zu subvertieren: In seinem literatursoziologischen Hauptwerk „Die Regeln der Kunst“ spricht Bourdieu der Literatur eine besondere Fähigkeit zu, gesellschaftliche Machtverhältnisse zu „entschleiern“, wodurch sie gar mitunter mehr über die soziale Welt auszusagen vermöge als manche „vorgeblich wissenschaftliche Schrift“ (Bourdieu 2014, 66f.; Schniedermann 2020, 6) Diese gleichermaßen auf das Erkenntnispotenzial literarischer Texte wie auch auf deren spezifische Darstellungsleistung abhebende Annahme bildet die Grundlage von Bourdieus exemplarischer Analyse von Virginia Woolfs „To the Lighthouse“ (vgl. Bourdieu 2021, 122–141), in deren Rahmen er das analytische Potenzial literarischer Verfahren für die Sichtbarmachung der verborgenen Logik männlicher Herrschaft aufzeigt. Eine systematische Auseinandersetzung mit der Anschlussfähigkeit von Bourdieus Theorie für die Analyse literarischer Texte wie sie Bourdieu selbst vorgelegt hat, steht ebenso noch aus wie es ihr Potenzial für die Reflexion von Machtverhältnissen im Literatur- und Kulturbetrieb zu erkunden gilt.
Der interdisziplinäre Workshop macht sich das zur Aufgabe. Er vereint Beiträge aus der Literaturwissenschaft und Soziologie und erkundet das Gegenstandsfeld in Form von Theoriebeispielen ebenso wie anhand von Fallstudien.